Vorwort

Liebe Leserinnen und Leser,

die zunehmend schwierigere finanzielle Lage der Fraunhofer-Gesellschaft angesichts der gesamtwirtschaftlichen Situation und der Reduktion öffentlicher Forschungsmittel veranlasste den Vorstand ein Programm zur Krisenprävention und Krisenreaktion aufzusetzen. Institute, die wie das Fraunhofer IME drei Jahre in Folge einen negativen Jahresabschluss aufwiesen, wurden 2025 als kritisch eingestuft. Bis Jahresmitte 2026 wird ein Maßnahmenkatalog entwickelt und vom Vorstand in Kraft gesetzt, in den folgenden zwei Jahren umgesetzt und durch enges Monitoring überprüft. Das IME hat mit seinem Strategieplan 2024 bereits eine Reihe von Maßnahmen erarbeitet, mit der Umsetzung begonnen und 2025 erste Erfolge erzielt. 2025 war der Jahresabschluss in allen drei wissenschaftlichen Bereichen noch negativ, in den Bereichen Molekulare Biotechnologie und Angewandte Oekologie ist aber eine klare Aufwärtsentwicklung zu einem ausgeglichenen Jahresabschluss 2026 absehbar. Dazu trug auch ein deutlich erhöhter wissenschaftlicher Austausch zwischen den Standorten durch die weitere Entwicklung des agrinomics-Konzepts in insgesamt drei Workshops bei.

© Fraunhofer IME | Mit KI bearbeitet
Institutsleitung des Fraunhofer IME: Prof. Stefan Schillberg (links) und Prof. Christoph Schäfers (rechts).

Von großer Bedeutung für den Standort Aachen ist das vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) geförderte Forschungsprojekt »OrbiRoboTree«,  in dem wir gemeinsam mit dem Fraunhofer IPK, der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde und der Firma EUtech Scientific Engineering GmbH mit einer Kombination aus KI-gestützter Robotik und Vertical Farming eine zukunftsträchtige Grundlage für robuste Baumsetzlinge, die besser auf das Auspflanzen im Freiland vorbereitet sind, schaffen. Im Forschungsprojekt »SCOPE«, gefördert von Gates Agricultural Innovations, entwickeln wir gemeinsam mit Partnern aus Nigeria und Ghana einen innovativen Ansatz zur Steigerung der Photosyntheseleistung der Kuhbohne - eine zentrale pflanzliche Proteinquelle für die Ernährung in Subsahara-Afrika. Im Rahmen des am Standort Aachen jüngst gestarteten Forschungsprojekts »Mikro-MeDi-LAMP«  wird patientennahes Point-of-Care-System (POCT) entwickelt, das eine schnelle, kulturunabhängige Diagnostik pathogener Mikroorganismen sowie deren antimikrobiellen Resistenz (AMR) bei Erkrankten mit Sepsis ermöglicht.

Am Standort Münster wird das Forschungs- und Entwicklungsprojekt »RUBIN 3« zur Industrialisierung von Naturkautschuk aus Russischem Löwenzahn (2026-2031) erfolgreich fortgeführt. Darüber hinaus setzte sich das Projekt »SEASON – Slow Release von Biostimulanzien aus Saatgut-Beschichtungen« im Innovationswettbewerb »GreenEconomy.IN.NRW« erfolgreich durch. Im Verbundprojekt entwickeln die Partner eine neuartige Technologie zur gezielten Freisetzung von Biostimulanzien über die Saatgutbeschichtung. Fokuspflanze ist der Winterraps, die wichtigste Ölsaat in NRW und Deutschland.

Das Berufungsverfahren an der Universität Münster für die gemeinsame »Professur für Merkmalsoptimierung bei Nutzpflanzen« nach dem Berliner Modell befindet sich in der finalen Phase, mit der Ruferteilung rechnen wir im Sommer 2026.

Mit der Zusage zum Bau eines Forschungsgewächshauses konnte eine für den Standort Münster existenzielle Infrastrukturmaßnahme auf den Weg gebracht werden. Derzeit erfolgt die Erstellung aller Planungs- und Genehmigungsunterlagen. Der Baubeginn ist für das Jahr 2029 vorgesehen, die Fertigstellung wird voraussichtlich im April 2030 erfolgen. Mit dem Forschungsgewächshaus stärken wir die Forschungs- und Lehrinfrastruktur, fördern interdisziplinäre Zusammenarbeit und sichern langfristig die Wettbewerbsfähigkeit unseres Standorts. Wir danken dem Bund, dem Land und allen Partnern für ihr Engagement und ihre Unterstützung, durch die dieses Vorhaben realisierbar wird.

Der Bereich Bioressourcen in Gießen ist als außeruniversitäre Forschungseinrichtung am gemeinsamen Antrag der Justus-Liebig-Universität Gießen und der Universität Marburg auf Förderung durch die Exzellenzinitiative von Bund und Ländern beteiligt. Dadurch werden die Kooperationen mit beiden mittelhessischen Universitäten u.a. in den Agrarwissenschaften intensiviert.
Ein besonderes Highlight in 2026 war der Besuch der Bundesministerin Dorothee Bär, die in ihrem Grußwort verkündete, dass der Fraunhofer IME-Bereich Bioressourcen für die Hightech-Agenda der Bundesregierung aktiv ist. Im Rahmen des vom BMFTR ausgeschriebenen Programms PhytoProtect wurden zwei Skizzen zur Vollantragstellung aufgefordert. In diesem Kontext informierte sich Frau Bär über die Zusammenarbeit mit dem US-amerikanischen Unternehmen Grennlight BioSciences, die für den US-Markt die weltweit erste Zulassung für ein RNAi-Spray bekommen hat. Dieses auf der RNA-Interferenz basierende Spray wirkt effizient und spezifisch gegen Kartoffelkäfer Damit wurde im nachhaltigen Pflanzenschutz eine neue Ära eröffnet (Pressemittelung). Am Institutsteil Gießen wird intensiv an neuen Formulierungen von RNA-Sprays gearbeitet, um sie künftig u.a. zur nachhaltigen Kontrolle von Schilf-Glasflügelzikaden nutzen zu können. Weiterhin wurden zwei neue Industriepartner gewonnen (SWARM Biotactics und InsectImpact), mit denen unsere Forschungen im Bereich Insektenbiotechnologie auf Anwendungen von Schaben erweitert werden.

Das ehemalige Fraunhofer-Anwendungszentrum in Soest wurde zu Anfang des Jahres 2026 Außenstelle des Bereichs Angewandte Oekologie.
Auch 2025 konnten die Bauarbeiten am Labor-Großbau in Schmallenberg noch nicht abgeschlossen werden, sodass der vollständige Umzug in den Neubau erst 2026 vollzogen werden kann. Die im letzten Jahresbericht erwähnten Nachwuchsgruppen Immunökotoxikologie und die Fraunhofer Attract B-Pol sind erfolgreich implementiert. Die regulatorische Umsetzung unserer ökotoxikologischen Forschung in Richtlinien ist durch die Fertigstellung des UBA-Projektberichts mit dem Protokoll für den »ZEOGRT« (zebrafish extended one generation reproduction test) im Rahmen der Validierung als OECD-Testrichtlinie ebenso vorangekommen, wie die Entwicklung des tPOD (transcriptomic point of departure) als molekulare Methode zur Feststellung von Wirkschwellen, die mithilfe eines ECHA-Projektes (»Highlight«) für 24 Substanzen auf Vergleichbarkeit zu klassisch bestimmten chronischen NOECs untersucht wird. Die ECHA hat beide Testverfahren noch vor der Adoption der OECD-Richtlinie anerkannt; entsprechende Industriestudien wurden und werden bereits durchgeführt. Im herausfordernden Großprojekt »BioDive4Soil« zur Basiserhebung der Bodenbiodiversität in Deutschland ist das erste Jahr geschafft, in dem die sehr unterschiedlichen Institutionen zusammengebracht werden mussten. Der Enthusiasmus der Teilnehmenden ist ungebremst.

Wir danken allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie unseren Partnern und Förderern für ihr Vertrauen und Engagement.

Dieser Jahresbericht gibt Ihnen Einblicke in unsere Arbeit und ausgewählte Projekte. Wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit und darauf, gemeinsam Innovationen voranzutreiben.

 

Prof. Stefan Schillberg

Prof. Christoph Schäfers

Institutsleitung