Wir trauern um Professor Dr. Fritz Kreuzaler, einen Pionier der molekularen Pflanzenwissenschaft, der synthetischen Pflanzenbiologie und der Photosynthese-Technik. Das Fraunhofer IME hat einen lieben Freund, einen vertrauenswürdigen wissenschaftlichen Berater und einen hochgeschätzten Mentor verloren. Seine Ideen, seine Weisheit und seine Großzügigkeit werden uns auch weiterhin als Quelle der Inspiration dienen.
Die wissenschaftlichen Beiträge von Professor Kreuzaler reichten von der Grundlagenforschung zur Flavonoid-Biosynthese und der Charakterisierung der Chalkon-Synthase über das visionäre Konzept der antikörpervermittelten Krankheitsresistenz bis hin zu bahnbrechenden Strategien zur Steigerung der Photosynthese und des Ernteertrags. Viele seiner Ideen waren ihrer Zeit weit voraus und ebneten den Weg für wichtige Fortschritte in der modernen Pflanzenbiotechnologie.
Professor Kreuzaler war viele Jahre lang Mitglied des Kuratoriums des Fraunhofer IME. In den vergangenen 17 Jahren unterstützte er das Institut als wissenschaftlicher Berater und brachte dabei seine Ideen, seine Erfahrung und sein fundiertes Urteilsvermögen ein. Sein tiefgreifendes Verständnis des Pflanzenstoffwechsels, seine außergewöhnliche wissenschaftliche Intuition und seine Fähigkeit, eine Brücke zwischen Grundlagenbiologie und angewandter Forschung zu schlagen, waren für unsere Arbeit von unschätzbarem Wert. Er forderte uns heraus, über etablierte Grenzen hinauszudenken, ermutigte uns, ehrgeizige Ideen zu verfolgen, und teilte großzügig das Wissen und die Erkenntnisse, die er im Laufe seiner herausragenden Karriere gewonnen hatte.
Ein zentraler Schwerpunkt seiner Arbeit war die technische Optimierung der Photosynthese zur Steigerung der Ernteerträge. Professor Kreuzaler leistete Pionierarbeit auf dem Gebiet der synthetischen Biologie bei Pflanzen, indem er die Photorespiration neu gestaltete, um die damit verbundenen Verluste an Kohlenstoff und Energie zu reduzieren. Das zugrunde liegende Konzept wurde zunächst an der Modellpflanze Arabidopsis thaliana demonstriert und anschließend an der Kartoffel weiterentwickelt und validiert, wo es die Photosynthese, das Pflanzenwachstum und den Knollenertrag erheblich steigerte. Später erweiterte er diese Vision auf die Entwicklung synthetischer Mechanismen zur Kohlenstoffkonzentration mit dem Ziel, produktivere und ressourceneffizientere Nutzpflanzen zu schaffen.
Diese Konzepte entstanden lange vor dem Aufkommen der heutigen computergestützten und durch künstliche Intelligenz unterstützten Entwurfswerkzeuge. Sie spiegelten seine außergewöhnlichen Kenntnisse der Biochemie und seine seltene Fähigkeit wider, Pflanzen als komplexe, miteinander vernetzte biologische Systeme zu verstehen – ein Ansatz, der unsere Forschung bis heute prägt und leitet.
Seine wissenschaftliche Neugier und sein Engagement blieben bis zum allerletzten Moment ungebrochen. Noch eine Woche vor seinem Tod tauschte er neue Ideen mit uns aus. Dieser letzte Austausch spiegelt wider, wie wir ihn in Erinnerung behalten werden: als intellektuell neugierig, zukunftsorientiert und zutiefst engagiert – sowohl für die Wissenschaft als auch für die Menschen, mit denen er sie teilte.
Das Vermächtnis von Professor Kreuzaler lebt weiter in seinen wissenschaftlichen Errungenschaften, in den Ideen, die er in Gang gesetzt hat, und in den vielen Menschen, die er beraten, ermutigt und inspiriert hat. Wir werden ihn als herausragenden Wissenschaftler, weisen Mentor und lieben Freund in Erinnerung behalten.
Unser tief empfundenes Mitgefühl gilt seiner Familie, seinen Freunden und all jenen, die ihm nahestanden. Wir werden ihn sehr vermissen und sein Andenken ehren, indem wir seinen wissenschaftlichen Geist und seine Inspiration weiterführen.