Motivation
Biofilm-assoziierte Infektionen stellen nicht nur im Gesundheitswesen, sondern auch in der Landwirtschaft eine große Gefahr dar. Im klinischen Umfeld sind Biofilme für bis zu 80 % der bakteriellen Infektionen beim Menschen verantwortlich, darunter chronische Lungeninfektionen bei Patienten mit zystischer Fibrose (CF), chronische Wunden sowie Infektionen an medizinischen Implantaten und Geräten. Innerhalb von Biofilmen sind die Zellen in eine dichte extrazelluläre Matrix eingebettet, die das Eindringen von Antibiotika behindert und sie vor der Immunabwehr des Wirts schützt. Zudem versagen die meisten Antibiotika bei der Eliminierung von Persister-Zellen, die eine Subpopulation in der inneren Biofilmschicht bilden, da viele ihrer molekularen Zielstrukturen während der Ruhephase inaktiv sind. Dies führt dazu, dass die in den Biofilm eingebetteten Zellen gegenüber antimikrobiellen Wirkstoffen 10- bis 1.000-mal resistenter sind als in ihrem planktonischen Zustand.
Im Agrarsektor spielen Biofilme auch bei Pflanzenkrankheiten eine entscheidende Rolle. So bildet beispielsweise Xylella fastidiosa, ein phytopathogenes Bakterium, das das Xylem von Pflanzen besiedelt, Biofilme im Inneren der Pflanzengefäße. Dies führt zu einer Blockade des Wasser- und Nährstofftransports und letztlich zum Absterben der Wirtspflanzen. Es hat ein breites Wirtsspektrum, befällt über 700 Pflanzenarten und verursacht schwere Krankheiten, darunter das Oliven-Schnellverfallssyndrom, die Pierce-Krankheit bei Weinreben und die Mandelblattverbrennung. Trotz der enormen wirtschaftlichen Verluste, die durch diesen Phytopathogen verursacht werden, gibt es noch immer kein bekanntes Heilmittel, was die dringende Notwendigkeit unterstreicht, neue Behandlungsmöglichkeiten für diese biofilmbedingte Infektion zu finden.
Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Oekologie IME