Kuhbohne im Fokus: Höhere Erträge durch optimierte Photosynthese

Molekulare Biotechnologie

Angesichts der zunehmenden Herausforderungen durch den Klimawandel und die Verknappung von Ressourcen gerät die Ernährungssicherheit in Subsahara-Afrika immer stärker unter Druck. Extreme Wetterbedingungen, ausgelaugte Böden und eine wachsende Bevölkerung verschärfen die Situation zusätzlich. Dadurch werden innovative Ansätze, die die landwirtschaftliche Produktivität auch unter schwierigen Bedingungen steigern, umso dringlicher, da sie einen großen Beitrag zur Bekämpfung von Mangelernährung leisten können.

Die Kuhbohne (Vigna unguiculata), auch bekannt als Schwarzaugenbohne, spielt in diesem Zusammenhang eine zentrale Rolle. Für viele Menschen in der Region ist sie eine der wichtigsten pflanzlichen Proteinquellen. Diese Kulturpflanze zeichnet sich durch eine bemerkenswerte Anpassungsfähigkeit aus: Sie verträgt Trockenheit relativ gut und gedeiht sogar auf nährstoffarmen Böden. Zudem bindet sie Stickstoff aus der Luft und verbessert dadurch die Bodenfruchtbarkeit – ein entscheidender Vorteil in Regionen mit eingeschränktem Zugang zu Düngemitteln.

Darüber hinaus bietet die Kuhbohne weiteres Potenzial, das über ihre Rolle als Proteinquelle hinausgeht. Ihre Blätter sind essbar und reich an Vitaminen und Mineralstoffen, was sie zu einer vielseitigen Nahrungsquelle macht. Auch in traditionellen Anbausystemen spielt sie eine wichtige Rolle, etwa im Mischanbau mit Getreide, da sie zur Stabilisierung der Erträge beitragen kann. In vielen Regionen ist sie zudem wirtschaftlich bedeutsam, da sie nicht nur für den Eigenbedarf, sondern auch für lokale Märkte produziert wird. Trotz dieser positiven Eigenschaften bleibt ihr Ertrag bislang hinter dem für eine nachhaltige Ernährungssicherung notwendigen Potenzial zurück.

Hier setzt das »SCOPE«-Projekt an. Mit einem innovativen Forschungsansatz, der die photosynthetische Leistungsfähigkeit der Pflanze verbessert, zielt das Projekt darauf ab, die Produktivität der Kuhbohne um mindestens 20 Prozent zu steigern und damit die Lücke zwischen wachsender Nachfrage und begrenzter Nahrungs- und Futtermittelproduktion zu schließen.

Um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, bündeln mehrere internationale Partner ihre Expertise. Unter der Aufsicht und finanziellen Unterstützung von Gates Agricultural Innovations koordiniert das Fraunhofer IME das Projekt und arbeitet eng mit Forschungseinrichtungen in Ghana und Nigeria zusammen. Gemeinsam vereinen sie Fachwissen in den Bereichen Molekularbiologie, Pflanzenphysiologie, Züchtung und Feldforschung. Während moderne biotechnologische Methoden zur Verbesserung der Photosynthese entwickelt werden, stellen umfangreiche Feldversuche sicher, dass die optimierten Pflanzen auch unter realen Bedingungen gedeihen.

Ein entscheidender Aspekt des Projekts ist daher nicht nur die wissenschaftliche Entwicklung neuer Sorten, sondern auch deren praktische Verfügbarkeit, da die verbesserten Kuhbohnen gezielt Kleinbauern zugänglich gemacht werden sollen, die das Rückgrat der Landwirtschaft in Subsahara-Afrika bilden.

Langfristig verfolgt SCOPE eine klare Vision: eine widerstandsfähigere Landwirtschaft, höhere Erträge und eine bessere Ernährungssituation für Millionen von Menschen.