Motivation und Problemstellung
Die globale Ernährungssituation steht vor tiefgreifenden Veränderungen: Klimawandel, Schadstoffeinträge, begrenzte Düngemittelressourcen, geopolitische Entwicklungen sowie steigende Anforderungen an Umwelt- und Nachhaltigkeitsstandards setzen die klassische Landwirtschaft zunehmend unter Druck. Gleichzeitig wächst die Nachfrage nach klimafreundlichen, lokal produzierten und teilweise veganen Lebensmitteln. Um die langfristige Versorgung zu sichern, rücken daher neue Nahrungsmittelquellen (Novel Food) in den Fokus. Dazu zählen bislang nicht genutzte Pflanzen- und Tierarten, innovative Verarbeitungstechnologien sowie Produkte, die mithilfe spezialisierter Produktionsorganismen – etwa Mikroorganismen, filamentösen Pilzen, Hefen oder Pflanzenzellkulturen – in biotechnologischen Prozessen hergestellt werden. Diese Organismen ermöglichen ressourcenschonende, zirkuläre Produktionsweisen und eröffnen neue Chancen für hochwertige Lebensmittel und funktionale Zutaten.
Bioreaktorbasierte Herstellungsprozesse sind jedoch komplex und kostenintensiv. Neben etablierten klassischen Substraten wie Glucose oder Glycerol besteht großes Potenzial, künftig stärker heterogene Substrate aus Reststoffströmen zu nutzen – also Rohstoffmischungen, deren Zusammensetzung (z. B. Zucker‑, Protein‑, Fett‑ oder Faserstoffanteile) natürlichen Schwankungen unterliegt. Heute werden solche Nebenströme aufgrund ihrer variablen Eigenschaften und regulatorischen Rahmenbedingungen jedoch nur begrenzt eingesetzt. Perspektivisch könnten sie aber wesentlich zur Ressourcenschonung beitragen – vorausgesetzt, es gelingt, stabile und effiziente Prozesse trotz dieser Variabilität zu realisieren.
Die für klassische Fermentationsprozesse entwickelte Regelungstechnik stößt bei dieser Kombination aus variablen Ausgangsmaterialien, vielen interagierenden Prozessparametern und dynamischen biologischen Systemen schnell an Grenzen. Dadurch bleibt das Potenzial moderner biotechnologischer Verfahren für die Herstellung neuer Lebensmittel bisher weitgehend ungenutzt. MiKI setzt genau hier an und entwickelt datenbasierte, intelligentere Ansätze, um sowohl etablierte biotechnologische Produktionsprozesse zu verbessern als auch die zukünftige Nutzung nachhaltigerer Substratquellen zu erleichtern.
Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Oekologie IME