Motivation und Problemstellung
Funktionelle Proteine sind zentrale Komponenten zahlreicher industrieller Prozesse und Produkte und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Wertschöpfung in der Bioökonomie. Sie ermöglichen nachhaltige und ressourcenschonende Lösungen in unterschiedlichen Anwendungsfeldern. Dazu zählen unter anderem die Lebensmittelproduktion (z. B. Käseherstellung, Fermentation, Saftklärung und Gewebemazeration), der Pflanzenschutz, medizinische Anwendungen sowie biohybride Systeme, etwa in Sensorik, künstlicher Photosynthese oder synthetischer Chemie.
Während bisher überwiegend natürlich vorkommende Proteinsequenzen genutzt wurden, eröffnen Fortschritte in der Strukturaufklärung, im Verständnis von Struktur-Funktions-Beziehungen sowie im gezielten Protein-Engineering – zunehmend unterstützt durch KI-basierte Methoden – neue Möglichkeiten zur rationalen Entwicklung funktioneller Proteine.
Mit der Verfügbarkeit solcher in-silico-Designmethoden steigt zugleich der Bedarf an geeigneten Screening-Strategien. Obwohl die Zahl der generierten Kandidaten häufig geringer ist als bei klassischen evolutiven Ansätzen, müssen diese dennoch experimentell überprüft werden. Unabhängig von der verwendeten Designmethode werden die Proteinvarianten im Labor hergestellt und funktional charakterisiert, bevor sie in weitere Schritte der Produktentwicklung, wie Formulierung und Scale-up, überführt werden.
Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Oekologie IME