Stammzellforschung: Deutsche und US-amerikanische Partner bündeln ihre Kräfte – Entwicklung neuer Therapien beschleunigen

Pressemitteilung / 15.10.2015

La Jolla, CA, Kiel, Hamburg – Um die Qualitätskontrolle menschlicher Stammzellen weiter zu verbessern, bündeln drei Partner ihre Kräfte: The Scripps Research Institute (TSRI) in Kalifornien, USA, sowie das Zentrum für Integrative Psychiatrie Kiel (ZIP) und das Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Oekologie IME. Wissenschaftler stellen inzwischen routinemäßig »induzierte pluripotente Stammzellen« her, die so genannten »iPS-Zellen«. Sie bergen ein enormes Potential für die regenerative Medizin sowie für die Forschung und Entwicklung neuer Therapeutika. Um eine hohe Qualität der iPS-Zellen für Forschung und klinische Anwendung sicher zu stellen, entwickelt das deutsch-amerikanische Wissenschaftlerteam neue, Genomik-basierte Methoden zur Zellanalyse.

© Fraunhofer IME

iPS-Zellen werden hergestellt, indem man eine reife Zelle, etwa eine Hautzelle, in ein früheres Entwicklungsstadium sozusagen „reprogrammiert“. Auf diese Weise entsteht wieder eine Stammzelle, die sich noch in fast jeden Zelltyp des menschlichen Körpers differenzieren kann. »Qualitätskontrolle ist unser Hauptziel«, sagte Professor Jeanne Loring vom TSRI. »Wir müssen sicherstellen, dass Nervenzellen und andere aus iPS-Zellen gewonnene Zellen für die klinische Anwendung und die Wirkstoffforschung der jeweils ideale Zelltyp sind. Stellen Sie sich das so ähnlich vor, wie bei der Entwicklung einer klassischen medikamentösen Therapie: Die Tabletten, die wir den Patienten geben, müssen genau die richtige Menge des richtigen Wirkstoffs enthalten. Die hier berücksichtigen Prinzipien der Qualitätskontrolle wenden wir auf Stammzellen an.«

Die Qualitätskontrolle auf die nächste Stufe bringen

Das Projekt wird gemeinsam finanziert durch das California Institute for Regenerative Medicine (CIRM) und das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Loring wird 1,8 Millionen Dollar für das Projekt in Kalifornien erhalten, das BMBF stellt entsprechende Mittel bereit für den deutschen Teil des Projekts, den Franz-Josef Müller (Exzellenzcluster »Entzündungsforschung«) koordiniert. Diese Förderung ermöglicht es dem Team, ein biotechnologisches Tool namens »PluriTest« weiter zu optimieren, das im Jahr 2011 eingeführt wurde – von Loring und Müller, der damals am TSRI forschte und heute neuropsychiatrischen Erkrankungen und Entzündungen am Kieler ZIP studiert. Die neue Software wird »PluriTest2« heißen.

»Wir werden den nächsten technologische Schritt gehen, mit dem so genannten Next Generation Sequencing, um Lücken in der Qualitätskontrolle von Stammzellen zu schließen,« sagte Müller. »Im Gegensatz zur früheren Microarray-basierten Technologie können wir nun sehr viel detaillierter jedes Gen sehen, das in der Zelle exprimiert wird. Das erlaubt uns, noch umfangreichere und zuverlässigere Rückschlüsse zu ziehen sowohl in Bezug auf Pluripotenz als auch auf die Gültigkeit unserer In-vitro-Modelle und für die Sicherheit der Patienten.«

Für Loring ist diese internationale Zusammenarbeit sehr vielversprechend: »Die Dynamik, die entsteht, wenn international Experten zusammen für eine Sache arbeiten, ist inspirierend. Und in diesem Fall ist es so, dass unsere deutschen Partner am Fraunhofer IME führende Experten auf dem Gebiet der frühen Phase der Wirkstoffforschung sind. Daher bin ich besonders zuversichtlich, dass unsere gemeinsame Arbeit zu wesentlichen wissenschaftlichen Erkenntnissen führen wird und Fortschritte in der Medikamentenentwicklung ermöglicht.«

Während die Patientensicherheit und das schnellere Entwickeln neuer Therapien starke Argumente für die Optimierung biotechnologischer Werkzeuge sind, wies Ole Pless vom IME-ScreeningPort in Hamburg auch darauf hin, dass das Projekt dem Pharmasektor enorme Einsparpotenziale bieten könnte. »Bis jetzt wurde eine Menge Geld durch die hohen Ausfallraten in der Medikamentenentwicklung verbrannt,« sagte Pless. »Wir müssen also dringend vorklinische Krankheits- und Toxizitätsmodelle verbessern, um hier die Ausfallraten zu senken. Entscheidend ist, dass wir möglichst früh sehen, ob wir mit einem potentiellen neuen Wirkstoff in die richtige Richtung gehen oder nicht. Und wir gehen davon aus, dass wir die Chancen darauf mit hochwertigen iPS-Zellen deutlich erhöhen können.«

 

IME und ZIP haben 2013 eine strategische Allianz im Bereich der iPS-Zell-Technologie geschlossen, um Ergebnisse aus der Grundlagenforschung in die Anwendung im Rahmen der Wirkstofffindung zu bringen.

Besuchen Sie Mitarbeiter/innen des IME-ScreeningPorts auf der BIO-Europe in München: 2.-4. November, Stand 90.