Wenn eine Chemikalie in Europa zugelassen werden soll, muss unter anderem untersucht werden, ob von dieser Chemikalie Gefahren für die Umwelt ausgehen. Dabei wird neben der Giftigkeit/Wirkung auf Umweltorganismen auch untersucht, wie sich die Chemikalie in der Umwelt ausbreitet, wenn sie beabsichtig oder unbeabsichtigt dorthin gelangt.
In der Umwelt bewegt sich eine Chemikalie nicht selbstständig fort, sondern immer nur in Verbindung mit einem Transportmedium, in der Regel Luft oder Wasser. Da nicht leicht flüchtige Chemikalien in den meisten Fällen in Böden oder Gewässer gelangen, ist es von besonderer Bedeutung, wie sich die Chemikalie mit Wasser durch einen Boden bewegt. Der Boden hat hier eine besondere Schutzfunktion, da er beim Versickern von z.B. Regenwasser darin gelöste Chemikalien aus dem Wasser herausfiltern kann. Aufgrund dieser Filterfunktion des Bodens gelangen die meisten Chemikalien nicht ins Grundwasser, was für die Versorgung der Menschen mit sauberem Trinkwasser von entscheidender Bedeutung ist.
Ob eine Chemikalie gut oder weniger gut von einem Boden aus dem Wasser gefiltert wird, kann mit dem sogenannten „Sorptionskoeffizient“ beschrieben werden. Während Chemikalien mit hohen Sorptionskoeffizienten sehr stark von Böden festgehalten werden, sind Chemikalien mit niedrigen Sorptionskoeffizienten potenziell eine Gefahr für das Grundwasser. Daher ist die Kategorie „mobil (M)“ oder „sehr mobil (vM)“ in der Chemikalienregulation besonders wichtig.
Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Oekologie IME