Dr. Kornelia Hardes:
»Furin ähnliche Proteine ermöglichen Viren die Vermehrung in Mücken und bieten neue Ansatzpunkte für zukünftige antivirale Strategien.«
Mücken übertragen eine Vielzahl von Viren (sogenannte Arboviren), die jedes Jahr weltweit Millionen Menschen infizieren. Damit sich diese Viren in Mücken vermehren können, nutzen sie bestimmte Eiweiße der Mückenzellen. Eines davon ist das Enzym Furin - eine Art molekulare »Schere«, die virale Eiweiße zuschneidet und dadurch die Virusvermehrung möglich macht. Während Furin in Säugetieren schon relativ gut erforscht ist, weiß man über vergleichbare Proteine in Mücken bisher wenig.
In dieser Studie wurden Furin-ähnliche Gene in der Asiatischen Tigermücke Aedes albopictus untersucht. Es konnten zwei Gene (FLP1 und FLP2) identifiziert werden, deren genetischer Bauplan (mRNA) in allen Entwicklungsstadien - von der Larve bis zur erwachsenen Mücke - sowie in zwei Mückenzelllinien nachweisbar war. Außerdem wurde getestet, ob synthetische Furin-Hemmstoffe von Mückenzellen und ganzen Mücken aufgenommen werden und ob sie die Vermehrung des Modellvirus Semliki Forest Virus verhindern.
Ein markierter Hemmstoff wurde gut von Zellkulturen, jungen Larven und erwachsenen Weibchen aufgenommen. Drei weitere Hemmstoffe reduzierten in Zellkultur die Ausbreitung des Virus deutlich. Im lebenden Tier zeigte der getestete Hemmstoff jedoch nur eine geringe antivirale Wirkung.
Die Ergebnisse zeigen: Furin-ähnliche Eiweiße sind wichtige Faktoren für die Virusvermehrung in Mücken und damit potenzielle Angriffspunkte für neue antivirale Strategien. Gleichzeitig wird deutlich, dass ein Hemmstoff, der kaum über den Darm hinaus aufgenommen wird, seine vielversprechenden Laborergebnisse im ganzen Organismus nur schwer entfalten kann.
Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Oekologie IME