Welche Aufgaben hat das Kuratorium des IME?
Das Kuratorium hat eine unabhängige Beratungs-, Sparrings- und Netzwerkfunktion für die Institutsleitung, aber auch für Wissenschaftler am Institut und besteht aktuell aus 11 Mitgliedern. In den Kuratoriumssitzungen wird diskutiert, ob das Institut mit seinen Schwerpunkten und Projekten gemäß der Fraunhofer-Grundsätze auf Kurs ist und ob die richtigen Zukunftsthemen mit wirtschaftlichem Anwendungspotential adressiert werden. Es wird besprochen, wo seitens des Kuratoriums weitere wichtige Anwendungsfelder liegen und wo es z. B. Fördermöglichkeiten gibt. Das Kuratorium ist daher mit Vertretern der Zuwendungsgeber, der Wissenschaft und von kleineren und größeren Unternehmen besetzt. Wichtig ist dabei auch das Netzwerk der Kuratoriumsmitglieder, das schon einmal helfen kann, Kontakte herzustellen und Verwertungsoptionen zu identifizieren. Das Kuratorium ist damit nicht vergleichbar mit einem Aufsichtsrat in einem Unternehmen, der auch wirtschaftliche Kontrollfunktionen hat. Trotzdem geben wir, soweit möglich, auch Ratschläge bei wirtschaftlichen Themen. Zudem wenden wir uns auch an das Fraunhofer Präsidium, wenn wichtige Institutsthemen dort mehr Sichtbarkeit bekommen sollen.
Was waren Ihre größten Herausforderungen im Kuratorium?
Generell gesprochen lief das Institut über die vielen Jahre ja extrem gut und die Aufgaben des Kuratoriums bestanden häufig lediglich darin, die Institutsleitung und die Mitarbeitenden zu ihren großen Erfolgen zu beglückwünschen. Aber es gab natürlich auch Herausforderungen. Bei mehreren Themen konnte das Kuratorium unterstützen.
Zu nennen ist hier sicherlich die Zeit, als 2017 Prof. Dr. Fischer das Institut verließ und eine neue Form der Institutsführung etabliert wurde. Eine Institutsführung mit mehreren Leitern war Neuland für Fraunhofer und es musste ein Weg gefunden werden, wie das Institut kommissarisch geleitet und alle zufrieden gestellt werden konnten. Letztlich fungierte gegenüber der Fraunhofer-Zentrale ein Name kommissarisch als Institutsleiter, aber die Führung agierte hervorragend als Team. Dieses Leitungsgremium hatte damals auch sehr anspruchsvolle Themen zu bewältigen, da die Auslandsaktivitäten in den USA und in Chile konsolidiert werden mussten.
Dann kam die Abspaltung der translationalen Medizin in das neu geschaffene Fraunhofer ITMP unter Leitung von Prof. Dr. Dr. Gerd Geisslinger. Der Schritt war sicher richtig, da auch das Strategieaudit 2015 bereits gezeigt hatte, dass das Institut zwar sehr erfolgreich arbeitete, aber einfach zu groß und zu divers geworden war, um eine stringente gemeinsam Gesamtstrategie zukunftsorientiert umsetzen zu können. Die Trennung war auch ein deutlicher Einschnitt beim Kuratorium, das gerade einige neue Mitglieder gut integriert hatte und nun halbiert wurde.
Des Weiteren ist die Berufung der heutigen Institutsleitung mit Prof. Dr. Stefan Schillberg und Prof. Dr. Christoph Schäfers zu nennen, die sich aus meiner Sicht einfach zu lange hingezogen hat. Hier durfte ich übrigens das Kuratorium in der Fraunhofer-Berufungskommission vertreten.
Weitere Herausforderungen waren die Neubauten in Schmallenberg und Gießen und die manchmal unzureichende Zusammenarbeit mit der Fraunhofer-Zentrale.
Aktuell zeigt sich, dass die wirtschaftliche Situation in Deutschland auch auf die Auftragsforschung und die Forschungsförderung durchschlägt, was zudem auf gestiegene Kosten durch Energie und die neue Infrastruktur am IME trifft. Aber das IME hat ja einige Herausforderungen gemeistert und wird mit seiner kompetenten und engagierten Leitung und seinen hervorragenden Wissenschaftlern auch diese aktuellen Themen hinbekommen.