Insektenenzyme für die industrielle Biotechnologie

Wissensbasierte Wirkstoffentwicklung wird auch angewendet, um Moleküle aus Insekten zu identifizieren, die zur Konservierung oder Behandlung von Lebensmitteln eingesetzt werden können. Bienen produzieren in Form von Honig ein hochwertiges Lebensmittel, das sie über Mona­te in ihren Stöcken lagern können, ohne dass sie dazu einen Kühlschrank bräuchten. Neben der Biene haben auch andere Insektenarten im Verlauf der Evolution die Fähigkeit erworben, ihre Nahrung vor mikrobiellem Abbau zu schützen und diese zu konservieren. Der Totengräber Nicrophorus vespilloides ist hierfür ein eindrucksvolles Beispiel. Dieser Käfer vermehrt sich auf den Kadavern toter Mäuse, die er über Kilometer hinweg riechen und orten kann. Hat sich ein Totengräberpaar auf einem Kadaver gefunden, wird dieser gemeinsam vergraben, um ihn vor Nahrungskonkurrenten zu schützen. Im Speichel entdeckten wir eine Reihe von Konservierungsstoffen, mit denen die Totengräber den Mäusekadaver vor dem mikrobiellen Abbau solange schützen, bis er für die Ernährung der Brut gebraucht wird. Die besonders interessante Art der Fortpflanzung des Käfers beinhaltet auch die Fütterung der Larven mit dem vorverdauten Kadaver. Hierfür geben die Käfer mit dem Speichel Enzyme ab, die derzeit untersucht werden, um ihre mögliche Anwendung beim Abbau von organischen Substraten im Rahmen von industriellen Prozessen zu erschließen.