Endokrine Disruption in Fischen - neues Testkonzept mit molekularen Markern

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Endokrin wirksame Substanzen werden in der Öffentlichkeit als besonders bedrohlich wahrgenommen. Deshalb wird viel Energie darauf verwendet, endokrine Wirksamkeit zu definieren und Testverfahren darauf zu fokussieren, um hormonaktive Substanzen gesondert bewerten zu können. Sowohl die Pflanzenschutz-mittelgesetzgebung (EC 1107/2009) als auch das Chemikalienrecht (REACH) fordern den Nachweis, ob eine Substanz endokrin wirken kann. Insbesondere die Einführung eines „Cut off“-Kriteriums für hormonaktive Substanzen in der EU-Richtlinie EC 1107/2009 unterstreicht die Relevanz des Themas für die Industrie. Dabei liegt der Fokus im Umweltbereich vor allem auf den aquatischen Wirbeltieren.

In Fischen werden vor allem sexualendokrine Mechanismen untersucht, denn endokrine Disruptoren können in den Hormonhaushalt eingreifen und sich negativ auf Entwicklung und Fortpflanzung auswirken. Um derartige Substanzen regulieren zu können, müssen sie sicher identifiziert werden. Ein Ansatz, mit dem endokrine Disruptoren mit reduziertem Zeitaufwand und deutlicher Einsparung von Versuchstieren identifiziert werden könnten, ist das Adverse Outcome Pathways (AOP) Konzept. Mit dem AOP-Konzept kann aufgedeckt werden, was zwischen einem initialen molekularen Ereignis und einer negativen Folge für das einzelne Lebewesen oder die gesamte Population passiert. Daher ist eine vielversprechende Perspektive, molekulare Marker in existierende Tests zur Identifizierung endokriner Disruptoren zu integrieren. Wissenschaftler des Fraunhofer IME haben eine Studie durchgeführt um abzuschätzen, ob Endpunkte der Genexpression als molekulare Biomarker endokriner Disruption in einem FSDT (Fish Sexual Development Test) dienen können. Der Fish Sexual Development Test ist ein validierter Test aus dem Richtlinienprogramm der OECD, der die sexuelle Entwicklung der Fische bis zur Geschlechtsreife umfasst.